„Noch eins?“ – Mit Pro- und Kontra-Liste zum dritten Kind

Wenn ich gefragt werde, wie viele Kinder ich habe, dann sind die Reaktionen meist doch eher in die Kategorie „überrascht“ einzuordnen. Manchmal mit einem Hang zu „schockiert“. Meine Antwort lautet übrigens seit einiger Zeit „Drei“. Hin und wieder kommt dann die zögerliche Frage „Geplant?“, worauf ich mit einem knappen „Ja!“ antworte. Nicht selten folgt dann ein „Respekt!“. Zumal wir keine Mehrlingsgeburt hatten. Meine Frau hingegen wird „Alle vom selben Vater?“ gefragt. Toll, oder? Aber wieso eigentlich drei? Heißt es nicht, dass zwei optimal wären?

Nach dem ersten und zweiten Kind war für uns die große Frage "wollen wir ein 3. Kind?"

Ich spule mal ein Stück zurück, zunächst in meine Kindheit. Meine Mutter behauptet heute noch, dass ich damals gesagt hätte, ich wollte, wenn ich dann mal groß bin, sechs Kinder haben. Dass dazu auch eine Partnerin gehört, die da eventuell ein Mitspracherecht hat, war mir wohl egal. Als ich dann, jetzt wieder ein wenig vorspulen, etwas älter wurde, sank diese Zahl schrittweise. Bis sie dann irgendwann bei „3“ stehen blieb.

Wir sind nun Eltern

Und dann kam das erste Kind auf die Welt. Nicht ganz unkompliziert und mit längerem Krankenhausaufenthalt, aber es war das süßeste Kind auf der Welt. Und es war auch: anstrengend. Nicht das Kind an sich, die ganze Situation. Die Wohnung war plötzlich zu klein, der Tagesplan musste neu ausgerichtet werden und die Schlafphasen waren längst nicht mehr so erholsam. Das hört man zwar vorher immer von anderen Eltern, aber wie so vieles ist das eigene Erleben noch etwas anderes.

Was wir damals sicher wussten: zwei sollen es auf jeden Fall mal sein. Und die Zeit arbeitete natürlich auch für uns. Das erste Kind wurde älter und ein stückweit selbstständiger. Wir hatten uns eingespielt.

Das zweite Kind

Irgendwann war es jedenfalls soweit, dass wir bereit waren, für ein zweites Kind. Dieses wurde dann geliefert und man merkte plötzlich, dass man vorher mit „nur“ einem Kind quasi Urlaub hatte. Wir waren in der Überzahl, nun herrschte Gleichstand mit leichtem Vorteil auf Kindesseite. Es ist tatsächlich nochmal eine gehörige Umstellung. Natürlich können die Geschwister auch mal miteinander spielen, aber bis das funktioniert, dauert es Monate bis Jahre.

Wir versuchten uns mit der neuen Situation zu arrangieren. Vieles hatten wir zwar im Voraus geplant, doch nicht alles ist planbar. Neben sehr vielen schönen Momenten kommen unerwartete Krankheiten dazu, sowohl bei den Kindern als auch den Eltern. Das zweite Kind schläft ganz anders als erwartet und das Erste entwickelt neue Bedürfnisse, die mehr Zeit in Anspruch nehmen. Und auch wir Eltern entwickelten uns natürlich weiter. Plötzlich hatte ich ein zeitintensives Hobby, was zwar egoistisch klingt, aber man muss nun mal auch an sich denken. Für die Mutter ist das natürlich gerade in der Stillzeit deutlich schwieriger, aber versucht haben wir es trotzdem.

Wollen wir ein Drittes?

Aber auch da war die Zeit auf unserer Seite, das eingespielte Team zurück und die Kinder spielten tatsächlich miteinander. Und dann kam irgendwann die große Frage auf uns zu: drei?

Ja, diese Frage war nicht leicht zu beantworten. Wir waren froh, dass wir endlich wieder halbwegs schlafen konnten. Dass man die Kinder auch mal in Omas Obhut geben konnte und dann gemeinsam ins Kino ging. Dass wir nicht den Tagesablauf strikt um die Gewohnheiten eines Babys bzw. sehr kleinen Kindes herum planten. Und doch stellten wir uns ernsthaft diese Frage. Immer und immer wieder.

Wir machten tatsächlich Pro-Kontra-Listen (ja, Mehrzahl ist hier korrekt) und sprachen darüber was uns im schlimmsten Fall passieren könnte und welche Auswirkungen das hätte (Zwillinge? Drillinge?). Meine Frau fragte mich, was meine größten Ängste seien, was mir wiederum absolut nicht leicht fiel, zu beantworten. Die Frage nach einem dritten Kind ließ uns absolut nicht in Ruhe. Was aber zeigte: der Wunsch war bei beiden da.

Nur: wieso eigentlich? Wieso nicht nach zwei Kindern aufhören? Oder schon nach einem? Ist es nicht egoistisch, mehrere Kinder zu haben und dann weniger Zeit für jedes einzelne Kind zu haben, nur weil man mehrere Kinder haben möchte?

Ganz ehrlich, ich kann diese Frage nicht wirklich beantworten. Ich weiß nur, dass wir beide das Gefühl hatten, dass es das noch nicht war. Wir lieben unsere ersten zwei Kinder so sehr und doch war da dieser Wunsch im Herzen. Und wenige Tage nach einem Gespräch war er wieder so stark, dass einer von uns das Thema erneut aufgriff.

Wir haben uns entschieden

Letztendlich war uns klar, dass es nochmal eine Stufe schwerer werden würde. Auch, dass wir uns erstmal wieder stark einschränken müssten, die Wohnung auf lange Sicht nicht ausreichend sein wird und viele Dinge hinzukommen werden, die wir absolut noch nicht ahnen. Und doch haben wir uns irgendwann entschieden. Wir haben dem Wunsch nach einem dritten Kind nachgegeben.

Inzwischen leben drei entzückende und manchmal auch äußerst anstrengende Kinder mit uns in einer jetzt schon zu kleinen Wohnung. Die beiden Großen lieben das Kleine. Und das Kleine liebt die Großen. Wir lieben sowieso alle drei, sind aber auch froh, wenn sie endlich schlafen. Uns lieben die Kinder auch, solange wir nicht schlafen. Die Entscheidung haben wir nie bereut. Keine Sekunde. Klar ist es anstrengend, aber wir vertrauen wieder auf die Zeit. Und vieles kennt man nun schon. Wir sind gelassener geworden. Die Kinder werden größer und selbstständiger. Die Zeiten, die sie unbedingt mit uns verbringen müssen, werden weniger und kürzer. Dann werden wir uns mehr Zeit mit ihnen wünschen. Und ehe man sich’s versieht, werden sie ausgezogen sein. Und die Wohnung wird wohl wieder ausreichen…

14 Kommentare

  1. Anne

    Hi Du,
    Schön geschrieben 🙂 wir befinden uns auch gerade in der Procontra listen Phase fürs 3. Kind. Wie alt sind eure Kinder? Und wie empfindet ihr den Altersabstand?
    Viel Freude weiterhin mit den Engelbengeln!

    • Hallo Anne,

      vielen lieben Dank!
      Ich kann nur sagen, dass wir unsere Entscheidung in keiner Weise bereuen. Euch drücke ich die Daumen, egal wie die Entscheidung ausfällt! 🙂

      Unsere Kinder sind 0, 4 und 7 Jahre alt und ich finde den Abstand bei uns sehr gut. Es passt einfach alles und die Interessen der Großen überschneiden sich noch. Sogar gemeinsame Freunde haben sie.

      Liebe Grüße
      Martin

  2. Sehr schön geschrieben! Ich finde es toll, dass mal aus der Sicht des Mannes zu lesen. Wir haben vor 7 Monaten unser zweites Kind bekommen. Mein Mann kämpft noch etwas mit der Umstellung von eins auf zwei Kindern. Ein drittes Kind schwebt bei uns ebenfalls noch im Raum. An einigen Tagen sind wir dafür und an anderen können und wollen wir das uns auch gar nicht vorstellen. Mal schauen ob ein drittes Kind in ein paar Jahren was für uns ist.

    • Hallo Olga,

      vielen Dank! Das hört man gern! Ist ja doch eine recht private Angelegenheit, die man da veröffentlicht.
      Aber euch wünsche ich nachträglich nochmal alles Gute für die gewachsene Familie!
      Und dem Mann viel Kraft, die Umstellung zu überstehen! 😉
      Vielleicht erfahre ich ja noch, wie ihr euch entschieden habt.

      Liebe Grüße
      Martin

  3. Dieses dritte Kind ist irgendwie so ein Bonus obendrauf.
    Und eine Wundertüte, weil viele ja sagen „das Dritte läuft so mit“ und dann kommt alles ganz anders.
    Herzliche Grüße
    Suse

    • Hallo Suse,
      es ist vermutlich auch immer etwas vom Kind abhängig. Manche machen das Mitlaufen ganz gut mit, andere fordern die Aufmerksamkeit ein. Aber letztendlich kann das ja auch schon beim Ersten passieren 😉
      Bei uns wechseln sich die Phasen immer mal ab, Langeweile kommt also nicht auf. Definitv nicht!
      Liebe Grüße
      Martin

  4. Manuela

    Ich freue mich wenn ich von Eltern höre die sich bewusst für mehr als 2 Kinder entscheiden. Wir werden auch immer wieder gefragt ob unsere Kinder denn alle gewollt waren und sind. Haben mittlerweile 5 davon ( 19, 17, 5, 3 und 8 Monate ). Die 2 grossen sind auch noch zu Hause und machen ihr Abi. Und ja die Kinder sind alle von meinem Mann. Langweilig wird es bei uns auch nie und schön kuschelig ist es bei uns zu Hause auch. Anstrengend und fördernt ist immer irgendeiner von ihnen, da spielt das Alter keine rolle. Turbulent, Aufregend, Lustig und auch Anstrengend sind die Tage und auch manche Nächte. Aber wir haben es bis jetzt nicht bereut uns für so viele Kinder zu entscheiden und ja wir lieben jedes einzelne Kind 😀.
    LG
    Manuela

  5. Natascha

    Sehr schön geschrieben! Vieles hätte von mir kommen können. Wir hatten am Tag der Geburt unseres 2. Kindes schon im Kopf, dass wir gerne noch ein drittes hätten. Momentan schwanke ich hin und her, aber ich weiß, wenn wir wirklich ein 3. Wunder haben wollen werden alle Gründe die dagegen sprechen unwichtig sein! Alles Gute euch!

  6. Undine

    Uns blieb keine Zeit für eine Entscheidung. Als meine Töchter 2 Jahre und 8 Monate, und 1 Jahr und 3 Monate alt waren, wurde ich eher unverhofft nocheinmal schwanger. Für mich erst ein Schock, mein Mann freute sich – erst recht, als es dann ein Junge war.
    Heute sind sie 17, 16 und 14 Jahre alt und ich denke gern an diese turbulente Zeit zurück. Manchmal ist es sogar besser, nicht lange zu überlegen. …

    • Hallo Undine,
      ja, so kann es natürlich auch gehen. Die Abstände bei euch sind ja auch noch deutlich kürzer als bei uns, wo etwa drei Jahre zwischen den Geburten liegen. Aber schön, dass der Blick zurück offensichtlich positive Gefühle und Erinnerungen hervorruft!
      Dann wünsche ich euch auch weiterhin eine schöne Zeit 🙂
      Liebe Grüße
      Martin

  7. Christine

    Hihi… 😉 Sehr schön, Pro und Kontra Liste…
    Bei uns war von Anfang an klar: Kein Einzelkind! Und ich wollte immer 2 Kinder bevor ich 30 bin. Und danach dann mal schauen… Mit 27 hatte ich 2 Töchter, Abstand 20 Monate – bewusst!! Hätte auch kürzer sein dürfen. Und das obwohl das erste Jahr mit dem ersten Baby extrem kräftezehrend war. Und es lag „am Kind“, nicht daran, dass es das erste war. Das erste halbe Jahr mit den beiden war das nackte Überleben, danach spielten sie schon miteinander. Aber die ersten 2 Jahre waren echt anstrengend.
    Ich hatte mir dann sie Spirale legen lassen und wir wollten nach 5 Jahren dann neu überlegen. Mein Mann war eigentlich „fertig“, ich eher nicht, bzw. erstmal nur vorrübergehend.
    3 1/4 Jahr später wurde ich irgendwann stutzig… Und siehe da: Ich war bereits in der 8. Woche. Mein Mann hat sich gefreut wie Bolle, ich war verhalten, hatte mich grad beruflich neu orientieren wollen. Aber es war eh immer klar gewesen: Sollte ich je ungeplant schwanger werden, heißen wir das Kind herzlich willkommen. Dann hab ich das Baby in der 10. Woche gehen lassen müssen, das Herzchen hatte aufgehört zu schlagen.
    Da kam dann der Punkt: Ja? Nein? Wann? Wir hatten uns bereits auf 3 eingestellt und es fühlte sich gut an. Naja, Nummer 3 kam dann, als die Großen 6 und 4,5 waren. Und ganz ehrlich: Easy!! Ein tiefenentspanntes Baby, Eltern, die nicht mehr alles „so ernst nehmen“, ein Schulkind, ein KiGa-Kind im mittleren Jahr. Top!! Aber!! Wir konnten es ja nicht lassen und wollten auch für das Kleine einen gleichaltrigen Spielgefährten. Erneut 20 Monate später folgte Nummer 4. Dazwischen noch der Umzug und das Renovieren des eigenen Hauses, die vorzeitige Beschulung unserer 2. … Jetzt grad stecken wir in den letzten Zügen des ersten Halbjahres – Es. Ist. Saumäßig. Anstrengend. !!! Baby, Kleinkind (kein KiGa-Platz bekommen, sehr aktives Kind!!) und zwei Schulkinder mit ihren zahnpubertären Allüren… 🙄 Eine hochsensibel, die andere einfach ein Flummi. Puh… ABER: Es ist so viel Liebe!! Für die Kinder, die Kinder untereinander. 😍 Es ist so viel Lachen! Schlagfertige, frech-süße Antworten. Klamotten, die sich unsere Dritte mit einer unglaublichen Selbstverständlichkeit raus nimmt… Bei aller Müdigkeit, dem schlechten Gewissen, keinem Kind ausreichend geben zu können, der Verzweiflung wegen Unordnung und nicht so ganz überwältigender Sauberkeit: Es ist so ein tolles Leben, das wir leben dürfen. Es ist so ein Privileg, diese wunderbaren Kinder begleiten zu dürfen!!

    Wer den Wunsch nach einem weiteren Kind (ob zweites, drittes oder achtes) im Herzen trägt, sollte dem auch folgen. Die Vernunft kommt gegen den Tiefen Wunsch eh nicht an. Da der Wunsch aus dem Herzen kommt, wird das Herz auch immer für das weitere Kind ausreichen!!

    Euch allen viel Freude an euren süßen Sargnägeln – weil klar, sind sie auch das! 😉

  8. Hallo Christine,
    ein sehr schöner Bericht von dir und deiner Familie! Und ich finde es beeindruckend, dass ihr sogar vier Kinder mit teils recht geringen Abständen bekommen habt. Respekt!

    Inzwischen haben wir das erste Jahr zu dritt „überstanden“ und ich kann sagen: es ist nicht immer einfach. Aber da sind so viele Situationen, in denen man die Kinder betrachtet oder ihnen zuhört und einfach nur glücklich ist, dass man sie hat. Hach…

    Ich wünsche euch auch weiterhin viel Freude 😉

    Liebe Grüße
    Martin

  9. Hi Martin,

    wie versprochen meine Antwort in deinem Blog. 😉

    Du warst ein wenig verwundert auf meine Frage ob ich mich im Vorfeld – vor allen als Blogger – nicht schlau gemacht hätte.

    Weißt Du, bei mir ging das Bloggen erst los nachdem unser drittes Kind bereits da war.

    Unser Lütte war auch nicht geplant aber wer Alt genug ist um Spaß zu haben der ist auch Alt genug um mit den Konsequenzen zu leben.

    Wobei wenn ich ehrlich bin habe ich die Entscheidung bis Heute nie bereit daran beteiligt gewesen zu sein ein so wunderbares kleines Wunder in die Welt zu setzen.

    Natürlich hat man an dieser und jener Stelle mal nachgesehen was für Kosten ggf. auf einen zukommen könnten. Auf der anderen Seite war uns aber auch bewusst dass soviel im Wandel bei uns war dass wir gar nicht richtig planen konnten.

    Einziges Glück für uns war dass wir zwei Jahre vorher umgezogen sind. In unserer „neuen“ Wohnung hatten wir die Möglichkeit, von unserem Vermieter bekommen, aus dem Dachboden ein weiteres Zimmer zu machen.

    Ich wünsche dir noch einen wunderschönen Abend und all deinen Lesern eine Interessante, informative und Spaßige Zeit auf deinen Blog. Wie ich schon in den Kommis gelesen hatte „Es ist toll die Sicht des Mannes mal zu kennen!“

    LG

    Björn

    • Hallo Björn,

      schön, dass du dich hierher verirrt hast 😉
      Natürlich war meine Äußerung bzgl. des Informierens nicht Ernst gemeint, nur falls das nicht deutlich geworden ist. Ich erwarte von niemandem, dass er in Bezug auf irgendwelche Elternfragen Blogs „um Rat fragt“. Aber wer reinlesen möchte … nur zu. Dazu schreiben wir sie schließlich.
      Und wir haben, wie auf Twitter erwähnt, nicht wirklich Blogs gelesen, um eine Entscheidung zu fällen. Wenn, dann war es eher dieser neugierige Blick, wie es anderen damit geht.
      Und ja, diese kleinen Wunder, die da schreiend durch die Wohnung laufen, sind schon etwas tolles. Außerhalb der Streitereien jedenfalls…
      Dass ihr mit der Wohnung ausbaufähig wart, ist natürlich super. Wir haben unter uns noch einen Hobbyraum, der theoretisch locker ein weiteres Zimmer ergibt, den wir aber nicht als Wohnraum nutzen dürfen. Somit ist es tatsächlich eher ein Abstellraum. Aber wenigstens zahlen wir dafür nur Nebenkosten.
      Nun gut, die Zeit ist weit fortgeschritten *gähn*. Ich danke dir für deinen Besuch!
      Bis bald und liebe Grüße
      Martin

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