Mit Klickleiste zu mehr Selbstständigkeit

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Seit wir drei Kinder haben, hat sich bei uns im Haushalt so einiges verändert. Während wir uns zu Beginn gemeinsam um ein Kind gekümmert haben – somit also alle Aufmerksamkeit auf diesem Kind ruhte – müssen Mama und Papa nun Multitasking betreiben. Was Frauen als natürliche Fähigkeit nachgesagt wird, erweist sich aber bei hohem Schlafmangel auch bei Mama als nicht ganz einfach. Papa scheitert mit diesem Konzept schon im Ansatz.

Wie wir mit einer bebilderten Klickleiste mit den Kindern eine entspannte Morgenroutine einführen konnten.

Stress am Morgen

Nichtsdestotrotz müssen wir in der Woche dafür sorgen, dass unsere Kinder morgens pünktlich angezogen sind und mit Frühstück im Bauch das Haus verlassen. Das sah bei uns lange so aus, dass Mama und Papa den Kindern, die uns schon verstehen können (zumindest theoretisch und dann nur in kurzen Intervallen) gebetsmühlenartig wiederholten, was das Kind doch BITTE als nächstes zu tun habe. Von Selbstständigkeit keine Spur. Ich denke, ihr kennt das.

Dazwischen mussten wir uns um uns kümmern und ggf. noch ein paar Dinge den Tag betreffend besprechen. Und ein Baby wickeln und anziehen. Und davon abhalten, irgendetwas umzuwerfen. Brote schmieren und Trinkflaschen füllen. Die Vollmacht schnell noch unterschreiben. Dem Baby die Klobürste wegnehmen. Nochmal einem Gedichtvortrag lauschen. Und und und…

Wir müssen etwas ändern

Auch aufgrund des Kräfteschwundes auf Elternseite, haben wir uns nun aber gesagt, dass wir etwas ändern müssen. Das Stichwort heißt: mehr Selbstständigkeit. Nur wie?

Meine Frau hat vor Kurzem eine schöne Idee zu diesem Thema bei Pinterest entdeckt. Sie war begeistert und ich nicht abgeneigt, etwas Neues auzuprobieren. Dankenswerterweise hat sie auch das Basteln übernommen (<3). Und so kam es, dass die Kinder eines morgens eine „Klickleiste“ von uns bekommen haben. Doch was ist das?

Die Klickleiste, mit der sich die Kinder morgens selbstständig für den Tag fertig machen.

Die „Klickleiste“, wie wir sie nennen, ist ein Hilfsmittel, auf welchem die Schritte der Morgenroutine abgebildet sind. Dazu gehören Dinge wie Anziehen, Essen und Zähneputzen. Das Besondere ist jedoch, dass jedes Bildchen mit einem Deckel oder einer Klappe ausgestattet ist, so dass bei einer durchgeführten Aktion diese vom Kind als Fertig markiert werden kann. Dazu wird der Deckel zugeklappt und mittels eines Druckknopfes „zugeklickt“. Was bleibt sind die noch zu erledigen Schritte.

Selbstständigkeit in der Morgenroutine - die Kinder "klicken" bereits erledigte Aufgaben einfach zu.

Doch wir haben die Kinder mit diesen Leisten nicht einfach überrumpelt. Wir haben uns vorher mit ihnen zusammengesetzt und darüber gesprochen. Dann durfte sich jedes Kind einen farbigen Bogen aus Pappe aussuchen, auf welchem die Bilder in sortierter Reihenfolge aufgeklebt wurden (welcher Idiot hat sich eigentlich lilafarbenen Kleber ausgedacht???). Die Reihenfolge haben die Kinder übrigens selbst bestimmt, wobei wir nur darauf geachtet haben, dass die Jacke nicht direkt nach dem Aufstehen angezogen wird. Anschließend wurde die vorbereitete Leiste laminiert, um sie vor etwas rabiaterer Handhabung zu schützen. Zu guter Letzt wurden die Druckknöpfe befestigt. Dazu hat meine Frau eine Zange, mit der sie schnell und unkompliziert ein paar der vielen bunten Knöpfe (wohl auch „Snaps“ genannt) anbringen konnte.

Mit einer Zange, bunter Pappe und Bildern zu einer ruhigen Morgenroutine mitt den Kindern

Die ersten Tage mit der Klickleiste

Die Kinder waren erstmal begeistert. Seit ein paar Tagen nutzen wir nun diese Leisten und bisher mussten wir nur wenig helfen. Bereits am ersten Tag führte die Leiste dazu, dass das Kind schon dabei war die Jacke anzuziehen, als ich noch im Schlafanzug durch die Wohnung lief. So früh waren wir schon lange nicht mehr unterwegs.

Was mir an dieser Methode besonders gefällt, ist, dass wir den Kindern nicht einfach sagen, was sie zu tun haben. Und das immer und immer wieder. Nein, sie haben jetzt ein Hilfsmittel in der Hand und müssen in einem gewissen Rahmen selbst nachdenken. Und natürlich auch handeln. Wir Eltern hingegen geben etwas von der Verantwortung ab. Stattdessen kümmern wir uns um uns und das Baby. Das alles aber mit viel weniger Stress.

Nach einer Woche, in der die Leiste nun in Benutzung war, konnten wir jedenfalls einen mehr als deutlichen positiven Effekt feststellen. Die Kinder sind nach wie vor von der Leiste begeistert und verlangen direkt nach dem Aufstehen danach. Das Klicken scheint sehr motivierend zu wirken. Was nicht verwundert, wenn ich an die typsche Knallfolie denke. Und erstaunlicherweise sind die Kinder morgens so schnell fertig, dass sie plötzlich noch Zeit zum Spielen haben. Das gab es sonst nie!

Selbstständig für den Tag fertig gemacht. Mit einer selbstgebastelten Klickleiste.

Jetzt gilt es nur abzuwarten, wie lange die Selbstständigkeit anhält. Und wie lange die Leisten überleben. Und nur zur Sicherheit habe ich die Bildchen direkt noch einmal ausgedruckt. Diese sind übrigens nicht von uns, sondern von hier: audreyschilaty.com.

Und wir wären damit jetzt bereit, für das nächste Problem. Weltfrieden oder so…

6 Kommentare

  1. Diese Idee liegt bei mir auch schon bereit für die Umsetzung mit meiner Tochter. Aber aktuell klappt die Morgenroutine bei uns so gut, dass ich sie mir für schlechte Tage aufbewahre. Schön zu hören, dass das Konzept funktioniert.

    • Hallo Olga,

      ich war ehrlich überrascht, dass es SO gut funktioniert. Aber wie gesagt: erstmal will ich eine Langzeitstudie durchführen. Und dann wird neu geurteilt 😉

      Liebe Grüße
      Martin

  2. Das klingt toll!
    Sicherlich wird die Begeisterung mit der Zeit abflachen, aber das ist sicher nicht schlimm. Ein Weg zu mehr Selbständigkeit ist es auf jeden Fall!
    Grüße
    Suse

    • Hallo Suse,
      ja, der Effekt war echt beeindruckend. Natürlich lässt die Begeisterung langsam nach, etwas anderes haben wir auch nicht erwartet. Aber es hat auch das Gestalten und Erstellen Spaß gemacht. Umsonst war es also nicht 😉
      Liebe Grüße
      Martin

  3. Sina

    Hallo, drei/vier Monate später gibt es schon ein zwischen Fazit?
    Ich überlege so etwas für unseren unter drei jährigen einzuführen. Aber basteln da muss ich mich echt zu durchringen 😀 liebe grüße

    • Hallo Sina,

      du hast völlig Recht, ich kann ja mal berichten, wie der aktuelle Stand nach bald 4 Monaten ist.

      Zunächst muss ich sagen, dass die Klickleiste nun nicht mehr jeden Tag zum Einsatz kommt. Auch ist eine Leiste mal für längere Zeitverschwunden (ein Schelm, wer … 😉 ), aber gut.

      Die Kinder mögen die Leisten noch immer sehr, insbesondere unser Ältestes benötigt sie jedoch nicht mehr wirklich. Vielleicht lag es an der Leiste, vielleicht war es vorher auch nur die Wintermüdigkeit oder das Alter – jetzt klappt es meist auch so sehr gut.

      Bei Kind #2 hingegen merken wir immer wieder, das die Leiste eine große Unterstützung ist. Ohne sie müssen wir wiederholt den nächsten Schritt sagen, die Ablenkung links und rechts ist irgendwie zu groß. Die Leiste stellt da zum einen einen Fixpunkt dar, auf den es sich konzentrieren kann, zum anderen kann das Kind jedoch aktiv nachschauen, welcher Schritt der nächste ist. Und das wird tatsächlich weiterhin mit Begeisterung gemacht. Nur halt nicht jeden Tag…

      Was bei unseren Kindern wichtig war, war das gemeinsame Gestalten. Hätten wir es ihnen einfach vorgesetzt, wäre der Effekt höchstwahrscheinlich deutlich schwächer ausgefallen. Und gemeinsames Basteln, egal wofür, hat ja auch etwas … 😉
      Und Laminieren kann ja so spannend sein!

      Ich hoffe, das hilft dir (und anderen) ein wenig. Wenn noch Fragen sind, einfach stellen. Gerne auch bei Twitter oder FB.

      Liebe Grüße
      Martin

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